Samstag, 25. September 2010

Eisbären in Wechloy

Habt ihr mal in eurer Schule übernachtet?
Oder an eurem Arbeitsplatz gefeiert?
Sowas ist ja eine wirklich schöne Sache, an einem alltäglichen, nicht gerade Freizeitmäßigen Ort Dinge zu erleben. Und da ich auch mal in der Uni Wechloy Mathe studiert habe, und mich da vor nem Jahr auch regelmäßig aufhielt, war die "lange Nacht der Wissenschaft" dort (heute) nicht nur Information, sondern vor allem "ach genau, da hingen die Zettel, wo die Tutorien eingeteilt wurden und da hab ich mich mal verlaufen, als ich einen Zettel abgegeben hatte" und so weiter.
Mathevorlesungen können anstrengend sein, aber der große Vorlesungssaal ist eigentlich ein ziemlich toller Veranstaltungsraum: groß, lustige wackelnde Stühle (muss man gesehen haben, also studiert Naturwissenschaften in Oldenburg), große Leinwand für endlose Power-Point-Vorträge über abelsche Gruppen und tolle Axiome zum Lernen.
Oder als Kinoleinwand. Heute wurde dort der Dokumentarfilm "Unsere Erde" gezeigt. Ziemlich cool, so mitternachts im Mathe-Saal...
Aber, zum Film: Es geht um Tiere, süße Tiere, imposante Tiere, menschliche Tiere, hungrige Tiere, flüchtende Tiere, jagende Tiere, Baby-Tiere.
Natürlich aber vor allem die durch die Klimakatastrophe  vom Aussterben Bedrohten. Eisbären, Wale, Elefanten.
Süße Eisbären im Uni-Hörsaal.
Mit einem Eisbären beginnt der Film, und endet er. Eine wahnsinnig süße kleine Familie wird vorgestellt, der ganze Saal seufzte ständig, weil das Kindchenschema so schöne Muttergefühle in allen Betrachtern auslöste. Und dann: Die armen Eisbären sind schwach, wenn sie keine Beute, also Robben finden, dann müssen sie verhungern! Und jeder Zuschauer hofft, dass die Knuts so bald wie möglich Robben finden mögen. Dann, kurze Zeit später, die Elefanten. Wieder wird eine süße Herde vorgestellt, man empfindet Mitleid mit den tapsenden Babys. Dann treten Löwen auf. Oh nein, die Elefanten sollen sterben! Jeder Zuschauer hofft, dass die Elefanten überleben.
Natürlich heißt es nicht: Oh nein, die Löwen müssen verhungern, wenn sie keine Beute fangen! Die Geparden werden aber später als Jäger dargestellt, da ist man wieder auf deren Seite, das kommt aber daher, dass diese Großkatzen mehr vom Aussterben bedroht sind als die ohne Punkte.
Ich habe bei jedem Tier, das in diesem Film gestorben ist, getötet, gegessen worden ist, "mitgelitten", also will ich nicht behaupten, dass die Eisbären z.B. es nicht verdient hätten, zu überleben. Ich persönlich nehme keine Wertung vor. Das tun aber die Filmemacher: Die Beutetiere, die den aussterbenden Tieren als Futter dienen, werden in großen Herden dargestellt - also als ein "Überfluss". Zählt den das Leben eines Eisbären mehr als ein einzelnes einer großen Herde Robben? Ich bin mir da nicht so sicher, jedes Tier ist toll. Nur weil die Robben und Wahlrößer eher dick und unförmig als niedlich und mit Persönlichkeit dargestellt wurden. Letztendlich schafft es die Horde von mehreren Hundert, dass der Eisbär keines seiner Mitglieder reißt. Na ja, irgendwie muss das weitergehen mit dem Jäger-Beute-Verhältnis, trotzdem möchte ich nicht solche mitleids-Manipulation erleben. Trotzdem: Super imposanter, aufregender, trauriger, lustiger, Film, von dem man sich fast jedes Standbild der 24 Bilder pro Sekunde an die Wand hängen könnte. Es WAR gut, ihn an der des Hörsaals gesehen zu haben.

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