Freitag, 24. September 2010

oh, ich hab dich zum fressen gern


„Ja, liebe Lotte, ich will alles besorgen und bestellen; geben Sie mir nur mehr Aufträge, nur recht oft. Um eins bitte ich Sie:
Keinen Sand mehr auf die Zettelchen, die Sie mir schreiben. Heute führte ich es schnell nach der Lippe, und die Zähne knisterten mir.“
… Der gute verliebte Werther von Goethe (aus: die Leiden des jungen Werther. Johann Wolfgang von Goethe, 1774. Hier: S. 56) antwortet auf einen Brief der angebeteten Charlotte.
Wer erinnert sich nicht an das aufregende Zettelchen-Schreiben in der Schule? Oder das man einen Gegenstand, der einen an den Geliebten erinnert, den er berührt hat oder der ihm gehört, geküsst hat?
Es soll ja Poster gegeben haben, die an Stellen rund um das Gesicht ein kleines bisschen... zerfleddert waren. Hoffentlich hat man damals nicht die Druckerschwärze an den Lippen entdeckt. 
Wir lernen: nicht nur verschmierter Lippenstift weißt darauf hin, dass man jemanden gerade bei etwas gestört hat. Zum Glück wissen wir, dass bei Werther die Entschuldigung auch nicht Sandkuchen sein könnte. 
Und wir lernen, dass auch Goethe einfach mal ehrlich witzig sein kann.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen