Samstag, 23. April 2011

Das Auge im Zentrum

"Der Mensch ist der Besitzer und der Herr, das Tier hingegen, sagt Descartes, nur ein Automat, eine belebte Maschine, eine "machina animata". Wenn ein Tier wehklagt, so ist dies kein Wehklagen, sondern das Quietschen eines schlecht funktionierenden Mechanismus. Wenn ein Wagenrad quietscht, so bedeutet das nicht, dass der Leiterwagen leidet, sondern dass er nicht geschmiert ist. Genauso haben wir das Weinen eines Tieres zu verstehen und uns nicht zu grämen über den Hund, der im Versuchslabor lebendigen Leibes seziert wird." (Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1984) Frankfurt a.M.: Fischer 1987: S. 276)
"Teresa streichelt Karenins Kopf, der still auf ihrem Schoß ruht. Sie überlegt sich etwa folgendes: Es ist kein besonderes Verdienst, sich den Mitmenschen gegenüber korrekt zu benehmen. Teresa muss sich den Dorfbewohnern gegenüber tadellos verhalten, weil sie sonst auf dem Dorf nicht leben könnte.Und Tomas gegenüber muss sie sich liebevoll verhalten, weil sie ihn braucht. Man wird niemals mit Sicherheit feststellen können, inwieweit unsere Beziehungen zu anderen Menschen das Resultat unserer Gefühle, unserer Liebe, unserer Unliebe, unserer Gutmütigkeit oder Bösartigkeit sind, und inwieweit sie durch das Kräfteverhältnis zwischen den einzelnen Menschen festgelegt sind."
"Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegeüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung der Menschheit, die elementarste Prüfung (die so tief im Inneren verankert ist, dass sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen, dass sich alle anderen aus ihm ableiten lassen." (Kundera S. 277)
In seinem Buch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" lässt Milan Kundera seine weibliche Protagonistin Teresa am Ende über Tierethik nachdenken, die (wie Nietzsche, als er ein Pferd umarmt, aber das führt jetzt zu weit) von der "Straße ab[weicht], auf der die Menschheit als 'Herr und Besitzer der Natur' vorwärtsmaschiert" (Kundera S. 278). 
Eigentlich wollte ich nur ein Zitat präsentieren, muss aber noch ein wenig Philosophiegedöns hinzufügen: Kant würde den Tieren die Vernunft absprechen, und sie deswegen in seiner Ethik, dass jeder als Zweck behandelt werden sollte, nicht berücksichtigen, wo hingegen John Stuart Mill in seinem Utilitarismus jedes leidensfähige Wesen berücksichtigen würde. 
Na ja, im Anschluss daran einfach mal ein kleines Projekt von 2009: Da habe ich viele Tiere fotografiert und auch immer gerne ihren Blick in die Kamera. Wenn man ihnen einen Blick zuschreibt, sieht man sie als Subjekte. Also nicht als Objekte! keine "machina animata"!! Und Anthropomorphisierung nennt man das, wenn man ...Wesen menschliche Eigenschaften zuschreibt, weil man nicht aus diesen seinen eigenen Erklärungsmustern herauskommt.


































"And you you and you and you are just an animal developed into" (Johnossi - Man must dance"

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