Dienstag, 23. August 2011

verzeichnung. versuchtes anblicken des vielfotografierten rolands

Uff, dachte ich mir, als ich vollständig damit beschäftigt war, die touristen zu fotografieren, die die bremer sehenswürdigkeit bzw, den roland, massenweise abfotografierten - uff, weil ich absolut keine lust hatte, auch eines dieser massenfotos zu schießen. und mir dafür auch noch mühe zu geben, von wegen: guter winkel, abhebung vom hintergrund (hier doof: verschmilzt mit häuserfassade, optisch, usw.)
ich gebe zu, sogar beide male, als ich in berlin war, rannte ich zum brandenburger tor und machte fotos von der touristenattraktion. und ärgerte mich, dass ich nicht anders konnte. wahrscheinlich brauche ich dieses "ich war da gewesen" und "ich habe mir die kultur angeeignet" und "ich habe es AUCH gesehen" beim roland nicht, weil bremen sehr nah an meiner "heimat" liegt und deswegen nicht wirklich "fremd" oder ein reiseziel ist. na ja.
das problem jedenfalls: wahrzeichen, insbesondere dieses ganze kunstgedöns von wegen statuen, architektur und so bzw. das, was irgendwelche herrscher von früher mit viel geld von arbeitern erbauen ließen, um sich und den reichtum ihrer stadt zu verewigen und eben sich ein denkmal zu setzen, verkommen leider für die meisten zu einem reinen zeichen. zum symbol für eine stadt, für einen fernen ort. und ein foto davon zeigt jedem sofort, dass er in die ferne stadt gereist ist, dafür geld ausgegeben hat usw. - ein foto im tollen restaurant könnte ja überall geschossen worden sein. ...und es ist ein wettlauf der sammlung von solchen zeichen: dort, dort, dort bin ich auch schon gewesen.
was aber vergessen wird: neben diesem zeichen für die stadt, für macht, reise, ferne usw. stellt sowas wie eine statue ja eigentlich etwas dar. z.B. der roland soll irgendwas mit freiheit und so bedeuten, was irgendwie toll von und für bremen sein soll, aber diese abstrakte symbolik meine ich jetzt nicht: da wird ein mensch dargestellt. und das schon ein wenig übertrieben:)
übertragen auf heute, möglichkeiten- und medienwandel impliziert: das ist in etwa so, als wenn wir nach berlin fahren und dann zum reichstag und so gehen würden und dann hängt da an der außenwand ein wirklich riesiges, also sagen wir 20x30 m großes plakat von angela merkel. so richtig schon übertrieben und imposant dargestellt. okay, nicht dass es das nicht gäbe, politiker (und natürlich stars) sieht man viel zu oft und viel zu groß auf werbewänden, aber: da wird einfach mal ein viel zu großer mann mitten in die gegend gestellt.
...ich wollte dann einfach mal wissen, was genau eigenlich ursprünglich (also nach der ganzen zeichenbildung - oder barthschen mythosbildung) dargestellt wurde - und ging ausnahmsweise mal ab von meinem lieblingsmedium fotografie und zeichnete mit stiften mit aquarellverschmierfähigkeit den herren ab. und sah einen großen mann mit großem schwert und großem schild, unter einem krassen königsdach (wobei ich an asterixfilme denken muss, wo cäsar mit einem zeichen, daumen nach unten, unter so einem dach sitzend entscheidet, dass der gladiator nicht überleben soll). zeitreise, wertereise, sichtreise, sichweisereise, war spannend. (nebenbei, der blick des rolands ist eigentlich unglaublich LIEB, was ziemlich krass ist mit der ganzen rüstung und so, aber ich war so umgehauen von dem ganzen imposanten herrschaftskrams, dass er ein wenig ..mächtiger wurde.)

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