Montag, 2. Januar 2012

Strukturen - sozial, produktiv und meditativ-wiederholend

Weihnachtsferien.
"Nicht zuletzt darum steht vorweg das, was ich außerhalb der umzirkelten Arbeitszeit tue, nicht im strikten Gegensatz zu jener." (Th. W. Adorno, Freizeit, in Kulturkritik und Gesellschaft, S. 647)
Vorlesungsfreie Zeit als eine Nicht-Uni-Zeit (der Wahrheitsgehalt dessen ist anfechtbar, was mir jeder Textilstudent bestätigen wird, aber aber die Zeit definiert sich ja hauptsächlich durch die Abwesenheit des Unimediums Vorlesung bzw. Seminar, nicht von der inhaltlichen / Schreib- Beschäftigung) 
("Allerdings bin ich dessen mir bewusst, dass ich als Bevorzugter spreche, mit dem Maß an Zufälligkeit und Schuld, das darin liegt; als einer, der die seltene Chance hatte, seine Arbeit wesentlich nach den eigenen Intentionen auszusuchen und einzurichten" (Adorno, ebenda.) - man darf die Freiwilligkeit dieser Nicht-Freizeit also nicht vergessen.)
Mit dem Bild oben thematisiere ich also das produktive Schaffen, das nicht im Gegensatz zur nicht-Freizeit, also Arbeit bzw. Uni steht. "Produktive Freizeit wäre möglich erst mündigen Menschen, nicht solchen, die unter der Heteronomie auch für sich selber heteronom geworden sind." (der coole Adorno, S. 652)
Aber ist das denn wirklich so? Wie ist mein Blick hier durch irgendwelche soziale Strukturen verstellt? (Wobei hier sichtbar die Kamera als Filter bzw. Brillenglas eingesetzt ist)
Der lustige Mensch mit Herz, der nicht nur die Strukturen reproduziert (blablabla) - mein erster Strukturenversuch.
Man sieht vielleicht, das sich wiederholende Muster dieser Bilder ist eben das Muster, eine Struktur neben der versuchten wiedererkennbaren Abbildung.
Meine anfängliche Intention war hier, gegen einen typischen Fokus beim zeichnerischen Arbeiten zu arbeiten: sonst beschäftige ich mich gerne lange mit der Herausarbeitung z.B. der Augen, dem "Schönen", wichtigen, der Rest wird nur mit Strichen angedeutet. Struktur von Flächen wird vom Original übernommen.
So wollte ich brechen, indem ich die bedeutungslose Farbfläche füllte, mit (ebenso bedeutungsloser) nicht-Flächigkeit. Die Haupt-Arbeitszeit geht hier auf ein rein ausführendes Striche-Setzen, was den Blick auf die Objektvorlage gar nicht mehr verlangt. So ist es erstellen von
Struktur, ausführende meditative Produktion neben der Reproduktion und Erzeugen von angepasster Ähnlichkeit.

Doch: "Unter den herrschenden Bedingungen wäre es abwegig und töricht, von den Menschen zu erwarten oder zu verlangen, dass sie in ihrer Freizeit etwas Produktives vollbrächten; denn eben Produktivität, die Fähigkeit zum nicht schon Dagewesenen, wird ihnen ausgetrieben. Was sie dann in der Freizeit allenfalls produzieren, ist kaum besser als das ominöse Hobby, die Nachahmung von Gedichten oder Bildern, die unter der schwer widerruflichen Arbeitsteilung, andere besser herstellen können als die Freizeitler. Was sie schaffen, hat etwas Überflüssiges. Diese Überflüssigkeit teilt sich der minderen Qualität des Hervorgebrachten mit, die wieder die Freude daran vergällt." (Adornolein, S. 651)
Muster als ständige Wiederholung. auch erscheinen mir manche "meiner" Produkte (wie dieses Bild eines Weihnachtsbaumes, was schließlich nach den ganzen Tuschespritzereien und Finelinerlinien entstand) wie eine Kopie bestimmter Ikea-Designs oder diversen Kulturindustrie-Dekorationen.

Aber,
ABER:
"Wann immer das Verhalten in der freien Zeit wahrhaft autonom, von freien Menschen für sich selbst bestimmt ist, stellt Langeweile schwerlich sich ein; dort ebensowenig, wo sie ihrem Glücksverlangen ohne Versagung folgen, wie dort, wo ihre Tätigkeit in der freien Zeit selbst vernünftig als ein an sich Sinnvolles ist. Noch Blödeln bracht nicht stumpf zu sein, kann selig als Dispens von den Selbstkontrollen genossen werden." (Typ, S. 650).

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