Montag, 29. Oktober 2012

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

KNUTSCH
... Was hat man denn so zu tun, wenn man seine Zeit im Zoo verbringen muss?
weil irgendwo wird's dann doch langweilig und man wendet sich voneinander ab.
ein paar andere Sachen sind dann auch noch wichtig und müssen erledigt werden.
Trotzdem: Irgendwann muss man dann an ein Gedicht von Rilke denken (der Panther...). Die Sonne hilft dann auch nichts.
Am Samstag war im im Jaderpark, also dem jetzigen Freizeit- und Tierpark in Jaderberg (früher eher rein typischer Vertreter der Institution "Zoo"), heute sah ich in meinem Typografie-Handsatz-Buchdruck-Seminar das Beispiel einer Arbeit, welche sich grafisch mit dem Jaderpark auseinandersetzte: Kennzeichnend war hierbei, dass sich auf jeder Seite ein schwarzer, geschlossener Kasten befand, in dem durch Buchstaben gestaltete Tiere waren. Schwarze Striche auf Papier sind nett anzusehen (Genauso wie die Tiere im Zoo), aber was sie symbolisieren, ist zwar wie ein Bilderrahmen für uns als Zoobesucher und Betrachter, es ist und bleibt aber: ein Käfig.
Tatsächlich kam mir im Zoo doch auch mal ein Satz über die Lippen wie "das Tier sieht ja aus wie ein Plüschtier" oder "wie im Film" - man sieht das Original einer technischen Reproduktion und denkt, dass die Reproduktion das Original sei. Mensch, verdammt, immer diese Medien.
Tiere sind im Zoo in Bilderrahmen gesteckt und bleiben bzw. werden das: Bilder. sich bewegende. Und vor und nach der Betrachtung durch den Besucher haben sie (tatsächlich!) auch ein Leben. Und dieses hinter den Kulissen kann ganz schön langweilig sein, denn wie wir Philosophiestudierende wissen, können sie sich nicht mal eben mit einem guten Buch zurückziehen oder wie bei Stefan Zweig (Schachnovelle) in Isolationshaft einfach mal im Kopf ein paar Jahre mit sich selbst Schach spielen. Cool, was bleibt dann noch? Essen. Und was noch? Manchmal durch die Stäbe zu der anderen Seite des Käfigs schauen. Nicht, dass diese milchig verschwommen vorbeiziehenden Wesen dort von Bedeutung wären.
Manche Tiere machen sich aber auch eine nette Zeit: Ein bisschen Balzen, Flügel ausbreiten - schlicht: aufstylen und flirten. Und das die ganze Zeit. Sowas entsteht nunmal, wenn man keinen Raum für anderes hat.

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