Samstag, 30. August 2014

Freifeld-Alben-Album

Plattencover für die ganzen Alben, die das Freifeld Festival 2014 geschrieben hat.


privat

Das mit dem Öffentlichen und dem Privaten ist ja so eine Sache.
Urlaubsfotos - gerne "Trophäen" genannt, nach dem Urlaub kommt dann das neue Profilfoto bei Facebook, man selbst hübsch und glücklich vorm Eiffelturm, so kann man stolz zeigen, dass man "da-gewesen-ist", an einem tollen Ort, wo jede/r mal gewesen sein muss.
Vor ein paar Wochen war ich mit der Uni in Estland und Finnland, auf Exkursion. Da langsam die Zeit kommt, wo die Reiseerschöpfung überwunden ist und man sich in der Arbeitserschöpfung gerne mit Reiseerinnerungen beschäftigt und in den neu entstandenen Freundschaftsgruppen Fotos austauscht, beginne auch ich, gruppentaugliche Fotoalben zu erstellen. Bei bestimmt über 1000, 2000 Fotos machen Auswahlen Sinn. Dann ist da aber die Frage der Kriterien. Was sind tolle Menschenfotos, Erinnerungen für die Gruppe? Was sind tolle Städtefotos, durch welche ich mit meinen Fotoskills angeben kann? Was ist verwackelt und lässt meine Fotoskills doch nicht mehr so gut erscheinen? Und dann - was gefällt mir zwar sehr, hat Erinnerungswert, ist aber für die Gruppe uninteressant oder sogar peinlich - kurz gesagt Label "privat"?

Die Pose vorm Eiffelturm, vor der Sehenswürdigkeit zeigt - ich bin körperlich dagewesen, ich hab kein Foto aus dem Internet geklaut, auch wenn ihr das Motiv ja schon alle kennt. Sinnliches Erleben imaginärer Welten nennt Tourismustheoretiker Christoph Henning das. Der fotografierte Körper als Medium zur Erinnerung sinnlicher Erfahrung - klappt sehr gut: Was ist eine Reise? Sehenswürdigkeiten sind Stationen, letztendlich verbringt man viel Zeit mit Laufen, laufen, S-Bahn, Bus, Stehen, Warten, Anstehen, Laufen. Aber das ist schön, das ist Wandern, sehen, erleben. Und so weiter. Ich fotografiere gerne meine Beine, um mich daran zu erinnern, wie ich dagewesen bin, wo ich gestanden habe, den Zustand des Laufens, Reisens, festzuhalten. Ich erhebe keinen Anspruch auf künstlerisches Patent auf dieses Motiv, ist bestimmt auch "Klischee". Aber diese Bilder sind eben für mich sehr wichtig, für andere... na ja, nicht lesbar, unverständlich. Privat also auch, weil einfach nicht zugänglich. Sieht ja alles gleich aus.
Da ich gerne Praktiken umkehre, deshalb hier meine liebsten und privatesten Erinnerungsfotos, öffentlich gemacht. Mit Leseanleitung. Und natürlich keine Best-Of-Auswahl, die Wahrheit ist der Überfluss, die Auswahl wäre keine Realität.
(1) Abfahrt, nachts um 4 am Bahnhof in Bremen. Zwei Stunden geschlafen, lange gepackt, müde. Aber vorfreudig.
 (2) Im Zug zum Flughafen. Noch Essensreste gegessen, der Mitbewohner konnte die nicht übernehmen, weil er selbst mitfuhr. Selbstgebackener Kuchen, Geschnittene Ananas und mein ominöser Liter Milch. War lecker. Und wir waren entspannt.

 (3) Im Flugzeug. War kalt. Hab Fotos vom Flugzeugflügel gemacht, mich geärgert, dass das das typische Abflugsritual ist. Neben Dozentin, die Übelkeitstabletten hatte, gesessen.
 (4) Tatsächlich nach Reisestrapazen in Tallin, Estland angekommen. Mit Gruppe unterwegs gewesen, cool, aber nervig die ersten Stunden (Plural, ja) in neuer Stadt mit der Suche nach einem Supermarkt zu verbringen. Warm, obwohl Osteuropa.
(5) was gegessen, Stadtführung mitgemacht. Endlich im Hostel eingecheckt und bessere Klamotten angezogen.
 (6) Wartend an Bushaltestelle. Color-Key-Funktion meiner Kamera entdeckt.
(7) ebenso.
(8) immernoch. Wir mussten zu irgendeinem Museum. Sich der Gruppe anschließend.
(9) Immernoch. Wahrscheinlich etwas in der Innenstadt, war schattiger.
(10) Nach dem Landesmuseum Estland zum anderen Museum laufend, dabei am Meer entlang. Etwas von der Gruppe abseilen, mit Mitbewohner schöne Zeit mit Fotos verbringen, Meerwasser fühlen und so.
(11) Im KuMu, Kunstmuseum, sein. Tolle moderne Sachen, alles ein bisschen anders als mitteleuropäische Sachen. Endlich Kunstmuseum, das ist mehr für mich als diese historischen Museen.
(12) Im KuMu tolle moderne Kunst entdecken. Da ist doch der ganze Boden angemalt, man muss über ihn rüberlaufen, um in den nächsten Raum zu kommen. Man traut sich nicht, ist doch Kunst? Viele gehen weiter, ich geh rüber. Partizipation und so.
(13) Noch mehr Partizipation im KuMu. Raum mit ganz viel Beamerprojektionen, schreibe mich durch Schatten in die Bilder ein, Interaktion und so.
(14) Im nächsten Museum. Hab mir aus meinem Schal eine Tasche für mein Ipad, auf dem ich immer Notizen schreibe, gebastelt. Viele beobachten mich beim Knoten. Später machen mich welche nach. Ich habe endlich die Hände frei.
(15) Im Freilichtmuseum über das Gelände krakseln. Mir war schon wieder übel, das war nervig. Aber es hatten welche Kekse dabei, das hat mich gerettet.
(16) Im Freilichtmuseum. In einem alten Schulgebäude Dinge vorgetragen bekommen. Ja, die Tafel sieht aus wie mein Ipad. Das ist lustig.
(17) nach einem Freilichtmuseum an der Bushaltestelle. Diskutieren lange, ob wir jetzt den Weg zu einer anderen laufen, um einen besseren Bus zu erwischen.
(18) Laufe einmal ein paar Stunden alleine durch die Stadt. Tolle Musik gehört. Gleich bin ich auf einem tollen russischen Markt, mit günstigem Tiramisu-Kuchenstück.
(19) Im Gesundheitsmuseum in Tallinn. Schöne Sachen zum Ausprobieren. Da war mir schon übel und schwindelig, ich hatte ja diese MagenDarm-Geschichte.
(20) Im Naturkundemuseum. Also da ging es mir überhaupt nicht gut. Zum Glück hatte eine aus der Gruppe Kreislauftabletten mit und Traubenzucker. Hab dann danach Cola mit Zucker getrunken.
(21) Letzter Abend am Meer in Tallin. Sonne, Unser Dozent schwamm mit uns, Köstlicher Nachtisch. Nur stressig, weil wir eigentlich zum Gruppentreffen ins Restaurant nebenan mussten.
(22) Helsinki. Krass, ich war in Finnland! Da sind wir auf dem Sehenswürdigkeiten-Senatsplatz vorm Dom rumgelaufen. Alle waren zu müde, Finnland anzuschauen, weil die Fähre zu früh gebucht wurde, aber ich bin mal wieder unternehmerisches Selbst.
(23) In Finnland kaufte ich mir auf einem Flohmarkt einen hübschen Kissenbezug, den ich danach als Ipad-und-Krams-griffbereit-Tasche verwendete. Das hier war im Dom, wo wir 3 verschiedene Kleingruppen unserer Gesamtreisegruppe trafen. Zufall? Ist ja auch die Stadtsehenswürdigkeit.

Montag, 25. August 2014

Von Pia zu Pia

Regenbogenfarben...
Die Farben liegen bereit, genauso wie die bunten Stifte für die Namensschilder, denn die Personen auf der Lise werden nacheinander abgehakt.
eine etwas müde Pia lädt ein zum Freundschaftsbänder-Bastel-Workshop im Handwerksmuseum in Ovelgönne.
die große Pia...
...knüpft mit den noch kleinen, zukünftig großen Pias.
Zu Essen gab es: Wolle, und das reichte auch schon.
Wer will denn damit bitte wie viele Packungen zuknoten? Oder Haarzöpfe schließen?
Mit Gabeln macht man neuerdings Armbänder. Tschüss, traditionelle Knüpftechniken mit natürlich abbaubarer Baumwolle!
So ist das. Wenn man 8-jährigen ein Knotenarmband beibringen möchte, ist es einfach jeder einzelne Knoten, der wieder und wieder erklärt werden muss. So ein Armband hat pro Reihe 10 Knoten. Mit der guten kleinen, die sich den Großen in der Gruppe anpassen wollte, und nicht nur Plastiklooms machen wollte wie die andere, die schließlich aufgab, schaffte ich immerhin fünf Reihen in Einzelbetreuung, während der ich nicht mit den anderen tolle neue Sachen lernen konnte.
Das alles war ein kleiner Ferienspaß-Workshop mit 12 8-13 Jährigen. Eine so stark altersgemischte Gruppe ist schrecklich, wenn die kleinen gar nichts verstehen und weinen und die großen sich langweilen. Puh. Aber was schön: Durch die freiwilligen Anmeldungen kam eine wirklich heterogene Gruppe zusammen, wider Erwarten sogar bzgl. des Geschlechts: Zwei Fußballerjungs machten nicht nur Knüpfarmbänder in den Farben ihres Lieblingsvereins, sondern auch mit den Fingern geknüpfte Gummibandarmbänder (Leidenschafttlich, einer schaffte sechs Stück). Nicht in Deutschlandfarben, sondern "Indianerfarben", wie mir erklärt wurde.
Zurück blieb ein kleines Chaos. Mitgeben konnte ich noch ein paar Stränge zum zu Hause weiterknüpfen.
Tesafilmspielereien, ist es doch so einfacher, Bänder auf den Tisch zu kleben. Dazwischen, hier rechts, Pflasterreste. Aber dazu keine Tränen von der Indianerin.

Tschüßtschüß! Bis zum nächsten Mal.