Donnerstag, 3. April 2014

Gänsehaut. Ich und mein Zeigen, ein Wiederaufstehen.

So - hiermit verkaufe ich mich. Ab jetzt ist hier ein neuer Blog.
Nein, das stimmt natürlich nicht, ich hab nur ein paar wirklich uralte Schuhe bei Ebay hochgestellt und verkaufe sie jetzt endlich mal, denn ich trage sie nicht mehr, lange nicht, sie gehören zu einer Person mit einem anderen Geschmack, die sich anders präsentieren will, die anders auf Material achtet und einfach anders ist. So schlimm ist das ja nicht, aber - sieht man nicht so sehr diesen Unterschied zwischen der gewollten Inszenierung und dem Körper, der blassen Gänsehaut, die es einfach nie zu Germanys Next Topmodel schaffen wird?
Manche träume muss man einfach aufgeben. Vielleicht haben sie ja nun wirklich gar nicht zu einem selbst gepasst.
Aber das stimmt nicht immer, wenn man etwas aufgibt - vielleicht hat es ja sehr wohl gepasst, ein Traum, aber man verändert sich. Ich habe diesen Blog vor... Langer Zeit, vor 3, 4 Jahren angefangen und viel geschrieben, meist Dinge aus meinem Kunststudium, Fotos von Reisen und dann die ganzen Kameraexperimente. Und ästhetische Theorie, Soziologie und kritische Theorie durften natürlich auch nicht fehlen. Vieles ist gleich. Aber mein Alltag, mein Studium hat sich verändert. Nach der Fotografie kam das Nähen, das ist zwar auch blogbar, aber lässt sich durch weniger ästhetische Umschreibungen präsentieren. Ich quatsche den ganzen Tag, lese den ganzen Tag und schreibe den ganzen Tag, das Hauptmedium ist die Sprache geworden. Und das, obwohl ich hier so viele Bilder wollte. Nichts so blogbar. Gestern fragte mich jemand, ob ich noch so viel fotografieren würde - ich verneinte. Das ganze Schreiben über Fotografietheorie und Praktiken, das lässt einen doch das eigene Verhalten zu sehr reflektieren , es hemmt. Trotzdem führt mich das jetzt wieder hier her - ich poste, zeige viel und gerne. Instagram, what's app, klasse. Und ich führe Forschungstagebücher. So viel passiert, und durch diesen Blog will ich es an einem Ort sammeln, mir selbst meine Existenz durch einen Zeit- und Gedankenstrahl visualisieren und bestätigen. Es ist der Spiegel in den man blickt und sich abnickt, oder sich überprüft, wie diese ganzen sozialen Netzwerke, Jaques Lacan würde mir auf die Schulter klopfen. Wenn auch nicht für die Tätigkeit, sondern für die Reflexion. Denn das ist das, was ich immer noch am meisten Schätze. Das bin ich also von außen? Oh krass... Und dieser Blog als ...digitaler Sehnerv, vom Namen her. Anfangs sollte er etwas beschreiben, das... Irgendwie ausdrückt, dass zwischen der organisch-mechanischen Wahrnehmung durch das Rezeptionsorgan (ich steh' auf Visuelles, deswegen das Auge im Fokus) und dem, mit was das Gehirn dann so nachdenkt, den Bildern im Kopf, irgendwas passiert. Der Sehnerv ist da zwar wieder scheinbar biologisch, nur Mittler, aber steht für mich für das, was mich Wahrnehmung heute als aktiv sehen lässt, der inkorporierte Habitus strukturiert das ganze, wie es so schön auf Unisprech heißt. Und da sieht man - ich fotografiere anders heute, die Kameras werden schlechter und mobiler, ich spreche anders, alles wird abgehoben und diskursfundierter. Änderung oder Anknüpfen? Wo ist mein altes Ich? Hat man Eigenschaften aufgegeben oder darauf aufgebaut, weiterentwickelt? Da ich häufiger neue Blogs erstellte, die aber nie länger als 2, 3 Monate hielten und dieser als mehrjähriges, sprechfähiges Kleinkind nicht versinken darf - kein neuer Blog, kein neuer Schuss an der Sprintbahn, sondern das Aufraffen nach einer kleinen Pause mit Blick ins Grüne von der Parkbank. Der Park, die organisierte und durchstrukturierte Welt, vorgesehen ohne Ecken für neue Fotos und doch Raum für Reflexionen. Ich hab zu viele paar Schuhe, als dass ich wüsste, welches ich jetzt trage, manchmal bleibe ich auch zu Hause, aber mal sehen, was kommt. 
Was ich möchte, ist reiner Profilierungsschmarrn, ich habe etwa genäht , ich bin kreativ und leistungsfähig, ich zeige euch hier, ich mache außerhalb dieser Konsumgesellschaft selber, ich habe gekocht, ich habe Phantasie, ich habe gekauft, ich habe gesehen, ich bin dagewesen, ich bin. Ich bin? Bei dieser ganzen Habens-Aneignungssprache? Als Erich-Fromm-Fan bin ich natürlich angebiedert davon, was ist man, wenn man nicht mehr hat, was man hat? (Ups). Natürlich bin ich von außen durchstrukturiert und auch ich will mich den Normen entsprechend präsentieren und... Mich dann freuen, wenn auch alleine vorm Bildschirm. Aber trotzdem versuch' ich eins: wenn schon ein Spiegel, dann ein brutaler, der zeigt: du bist nicht das, was die Medien wollen, du schaffst es nicht. Und auch nicht, was der ganze Alternative Lebenstil fordert. Nicht, dass das so traurig wäre. Aber darauf muss man ja erstmal kommen. 
Deshalb: bestenfalls: nicht das Urlaubsfoto vorm Eiffelturm. Ja , ich bin dagewesen, hab das Programm durchgestanden und mir selbst zusammengesucht, aber viel interessanter ist doch, wie es zu dem Foto kam.


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